Was ist Osteopathie?
Osteopathie ist eine manuelle, ganzheitliche Therapieform. Sie geht davon aus, dass alle Strukturen und Funktionen im Körper miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Der Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still (6. August 1828 – 12. Dezember 1917), brachte die osteopathische Haltung auf den Punkt:
„Find it, fix it, and leave it alone.“
Gemeint ist damit: Die Ursache einer Funktionsstörung soll erkannt und unterstützt werden – und anschließend bekommt der Körper den Raum, seine eigenen Regulations- und Heilungsprozesse zu nutzen.
Osteopathie richtet den Blick deshalb nicht nur auf Symptome, sondern auf die Bedingungen, unter denen der Körper sich selbst regulieren und ins Gleichgewicht zurückfinden kann. Mit den Händen werden Spannungen, Bewegungseinschränkungen und funktionelle Zusammenhänge wahrgenommen und dort unterstützt, wo Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit eingeschränkt sind.
Für wen ist Osteopathie geeignet?
Osteopathie kann Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen begleiten – vom Säugling bis ins hohe Alter. Sie eignet sich sowohl bei akuten als auch bei länger bestehenden funktionellen Beschwerden, wenn Bewegung, Spannung und Regulation im Körper aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Was kann man osteopathisch behandeln?
Osteopathie wird häufig bei Beschwerden des Bewegungsapparates wie Rücken-, Nacken- und Gelenkschmerzen eingesetzt, ebenso bei funktionellen Störungen innerer Organe (z. B. Verdauungsbeschwerden), bei Spannungszuständen, Kopfschmerzen, Schwindel und Tinnitus sowie bei Regulationsproblemen des Nervensystems. Auch Säuglinge und Kinder mit funktionellen Beschwerden können osteopathisch begleitet werden.
Dabei steht nicht nur ein einzelnes Symptom im Vordergrund, sondern das Zusammenspiel der verschiedenen Körpersysteme und die Frage, wo Regulation, Beweglichkeit und Anpassung eingeschränkt sind.
Grenzen der Osteopathie
Osteopathie ersetzt keine notwendige ärztliche Diagnostik oder Behandlung. Sie versteht sich als ergänzende Therapieform, die funktionelle Zusammenhänge und die Selbstregulation des Körpers unterstützt.
Bei akuten Erkrankungen, unklaren oder neu auftretenden Beschwerden, starken Schmerzen, Fieber, Lähmungserscheinungen oder anderen ernsthaften Symptomen ist eine ärztliche Abklärung immer erforderlich. In solchen Fällen dient Osteopathie nicht als Ersatz, sondern kann begleitend eingesetzt werden.
Rechtliche Hintergründe
Osteopathie ist Heilkunde
Osteopathie zählt in Deutschland zur Heilkunde.
Ihre Ausübung ist daher Ärztinnen und Ärzten sowie Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern vorbehalten.
Ein eigenständiges, gesetzlich geschütztes Berufsbild „Osteopath:in“ existiert derzeit nicht. Die osteopathische Ausbildung ist somit eine Weiterbildung, die auf einer ärztlichen oder heilpraktischen Grundausbildung aufbaut.
Aus-/Weiterbildung Osteopathie
Da die osteopathische Ausbildung gesetzlich nicht einheitlich geregelt ist, können Umfang und Qualität der Fortbildungen sehr unterschiedlich sein. Theoretisch darf jeder Arzt oder Heilpraktiker osteopathisch arbeiten, unabhängig davon, wie viele Ausbildungsstunden absolviert wurden.
Eine fundierte osteopathische Weiterbildung umfasst in der Regel mindestens 1.350 Unterrichtsstunden und schließt idealerweise mit einer Prüfung eines anerkannten osteopathischen Berufsverbands ab. Diese Verbandsprüfungen dienen der Qualitätssicherung und einem einheitlichen fachlichen Standard.
Für viele Krankenkassen und private Krankenversicherungen ist eine solche Verbandsprüfung oder Mitgliedschaft zudem Voraussetzung für eine teilweise Kostenerstattung.
Wenn Sie sich für eine osteopathische Behandlung interessieren, kann es daher hilfreich sein, auf eine qualifizierte Ausbildung und eine entsprechende Verbandszugehörigkeit zu achten.
Detaillierte Informationen
Prinzipien der Osteopathie
Andrew Taylor Still (1828–1917), der Begründer der Osteopathie, beschrieb drei grundlegende Prinzipien, die bis heute das osteopathische Denken prägen.
*Struktur und Funktion
Struktur und Funktion stehen in enger Wechselwirkung.
Alle Gewebe des Körpers – Muskeln, Knochen, Faszien, Gefäße, Nerven und Organe – haben eine bestimmte Aufgabe. Verändert sich ihre Funktion über längere Zeit, passt sich auch ihre Struktur an.
Ein bekanntes Beispiel sind Muskeln: Werden sie wenig benutzt, verlieren sie an Kraft und Substanz; werden sie regelmäßig gefordert, bauen sie sich auf. Ähnliche Anpassungsprozesse finden in allen Geweben statt.
*Der Körper ist eine Einheit
Der menschliche Körper funktioniert nicht in einzelnen Teilen, sondern als zusammenhängendes Ganzes. Muskeln, Sehnen, Knochen, Faszien, Organe, Gefäße und Nerven stehen in ständiger Wechselwirkung.
Auch der Mensch selbst ist mehr als die Summe seiner körperlichen Strukturen. Körperliche, seelische und soziale Faktoren beeinflussen sich gegenseitig. In der osteopathischen Arbeit wird deshalb nicht nur ein isoliertes Symptom betrachtet, sondern der Mensch in seinem gesamten Zusammenhang.
*Der Körper besitzt Selbstheilungskräfte
Der Körper verfügt über die Fähigkeit, sich zu regulieren, anzupassen und zu heilen. Therapeutische Maßnahmen können diese Prozesse unterstützen, anregen oder erleichtern – die eigentliche Heilung geschieht jedoch aus dem Organismus selbst heraus.
Osteopathie versteht sich in diesem Sinn als Begleitung dieser inneren Kräfte und als Unterstützung der Bedingungen, unter denen der Körper wieder zu mehr innerer Ordnung und Balance finden kann.
Berühren um zu verbinden

